Empfehlungsschreiben
Winnipeg /Manitoba, 25.05.06
Hi Folks. My name is Frank and I sit in my Apartment in Winnipeg and write this letter to you, the guys in “good old Germany…..” Angefangen hat alles damit, dass ich sehr unzufrieden mit meiner Situation in „good old Germany“ war. Ich war selbstständiger Transportunternehmer und unterwegs in ganz Europa, und irgendwie am Ende mit meinem Latein, wie es nun in der Zukunft weitergeht in Deutschland und mit meiner kleinen Firma. Aber mit dem Problem seid ihr ja in irgendeiner Weise sehr vertraut, und Ihr wisst, was ich mit “Zukunft in Deutschland“ meine. Es ist nun 3 Jahre her, als ich beschlossen habe, an meiner Situation etwas zu ändern, nur wie, das wusste ich noch nicht .Im Internet fand ich beim surfen eine Firma die Fahrer für Canada sucht, kurzum ich bewarb mich. Ein paar Tage später rief mich der Personalchef an und vereinbarte ein Meeting mit mir, und ca. 30 anderen Interessierten in Deutschland. Das Meeting war dann ca. 6Wochen später in Ludwigsburg und der Senior Vize-Präsident und der Personalchef waren anwesend und erzählten uns, wie toll alles ist und wie einfach alles ist, kurzum alles kein Problem. Ich mache es kurz: es war ein Reinfall der seinesgleichen sucht. Ich war natürlich sehr enttäuscht von den „Methoden“, die so manche Firma an den Tag legt. OK, aufgeschoben ist nicht aufgehoben, man ließ die Sache auf sich beruhen. Eines Abends, ich war gerade irgendwo in Deutschland unterwegs, klingelte mein „Handy“.....Hallo ja? Fred aus Canada...hast du noch Interesse nach Canada zu kommen usw. Noch so eine Firma, für die alles „kein Problem“ ist und dir 1000 Sachen verspricht und am Ende ist doch wieder alles nur ein Traum???? Sollte ich mich erneut auf so etwas einlassen? Was hatte ich schon zu verlieren. Solange ich kein Geld für irgendwelche Informationen, Veranstaltungen und Sonstiges ausgeben soll, kann ich mir das Ganze ja mal ansehen. Also es vergingen noch einige Telefonate mit „Fred aus Canada“ und so langsam bekam ich doch ein gutes Gefühl, bis mir irgendwann Fred dann vorschlug, man könnte sich doch mal treffen. Sie wären über Pfingsten 2005 in Geiselwind beim Strohofer Toni auf dem großen Truckertreffen und das wäre eine gute Gelegenheit, sich einmal persönlich kennen zu lernen und ein paar Informationen auszutauschen. Also –ab nach Geiselwind, als Kraftfahrer kennt man den „TONI“ ja. Es war alles ganz anders als erwartet Der „Fred aus Canada“ war ein seriöser Herr , der freundlich lächelnd mich begrüßte und nicht den Eindruck erweckte, mir irgendwelche Märchen zu erzählen ,sondern ganz fundierte Informationen. Der ganze Besuch endete mit einer „Einladung“ nach Winnipeg, um mir das, was Fred da erzählt hat, anzusehen. Im August konnte ich es mir ermöglichen, ein paar Tage meine Firma ruhen zu lassen, um kurzfristig nach Canada zu fliegen. Es war ein langer Flug und ich war froh im Hotel zu sein. Am nächsten Tag traf ich mich mit Fred um einige “appointments“ zu machen, er wollte mir ein paar Firmen zeigen in Winnipeg und Umgebung. Dann stellte er mir noch einen Fahrer vor, der gerade aus Österreich angekommen war, um in Winnipeg als Fahrer zu arbeiten. Ich war sehr beeindruckt und dachte so bei mir, der hat’s schon geschafft. Wir fuhren dann die nächsten 2 Tage in die Umgebung und besuchten diverse Transportunternehmen. Es war alles sehr beeindruckend, die Größe der Firmen und das weite Land –für deutsche Verhältnisse war kaum Verkehr auf den Strassen und Highways und so kam ich auch zu BISON. Die Größe der Firma und die Freundlichkeit, mit der ich da empfangen wurde, haute mich regelrecht „vom Hocker“. Garth Pitzel begrüßte mich sehr freundlich, kameradschaftlich und ich wusste nicht, dass ich einem der wichtigsten Personen bei Bison begegnet bin. Alle im Gebäude die wir trafen sprach er mit Namen an, tauschte ein paar Worte aus, wünschte einen schönen Tag. Garth erzählte mir den Werdegang der Firma, die Voraussetzungen, um für BISON zu arbeiten, die Ausbildung die absolviert werden MUSS (nennt sich Orientation) im firmeneigenen „Ausbildungszentrum“. Die Bezahlung, die nach Meilen , wöchentlich abgerechnet wird ,wurde kurz erklärt .Anschließend wurde mir das neue Gebäude gezeigt mit all den Annehmlichkeiten, von denen wir in Deutschland nicht zu träumen wagen ,wie fahrereigene Duschräume (sehr sauber) ,Computerterminal mit Internetzugang für jeden Fahrer frei ,eine Küche mit mehreren Mikrowellen, Getränkeautomaten, Kaffee (frei für alle Mitarbeiter) , und das Beste –ein voll eingerichtetes Fitness-Studio, .nicht zu vergessen, die „Waschräume“ wo die Fahrer ihre Kleidung waschen und auch gleich trocknen können. Sprachlos bekam ich dann Gelegenheit, den Simulator zu „Fahren“, der hier für die Aus- und Weiterbildung der Fahrer zur Verfügung steht. Alles war sehr informativ und sehr beeindruckend. Das konnte weder gestellt noch arrangiert worden sein, das war (und ist) die Realität, in der ich mittlerweile arbeite. Tags darauf traf ich dann die Leute von Pullan Kammerloch und Frohlinger, (Paul hatte ich ja schon in Geiselwind kennen gelernt) und Klaas, einen Deutschen der mich bei meiner Immigration unterstützen wird. Alle meine Fragen wurden vollständig beantwortet, auch Unangenehmes(z.B. wie hoch werden die Kosten sein usw.) Zurück im Hotel genoss ich die nächsten Tage mit meinem österreichischen Freund in und um Winnipeg. Den Heimflug trat ich mit sehr gemischten Gefühlen an. Zurück ins „kalte“ Deutschland nur dem Profit und Erfolg hinterherlaufen, wie ein Esel dem man eine Karotte vorhält um weiter zu laufen. Auf der Heimfahrt von München Richtung Stuttgart, wie zu erwarten der erste STAU, der zweite ließ nicht lange auf sich warten. Es folgten dann mehre Telefonate und E-Mails mit Fred und Klaas, dann DIE ENTSCHEIDUNG!!!!!! Ja, wir gehen nach Winnipeg, um dort unser neues Leben anzufangen. Ab diesem Zeitpunkt war es sehr angenehm auf die Unterstützung von freundlichen und kompetenten Leuten, wie den „Jungs“ von Pullan, Kammerloch, und Frohlinger vertrauen zu können, die in jeder Situation Verständnis hatten. Nachdem ich die ersten $ 1000 CAN bezahlt hatte (es war mittlerweile Januar 06) ging es sehr schnell. Ich hatte meine Unterlagen fast komplett, es fehlten nur noch neue Reisepässe(wegen der Gültigkeit bei der Einreise min. 6 Monaten) und einige Schriftstücke. Also schickten wir alles per FedEx nach Canada. Ca. 2 Wochen darauf kam auch schon das Job- Angebot und der Arbeitsvertrag von BISON zur Ansicht und Unterschrift. Da die Jungs Ende Januar sowieso in Geiselwind waren, beschloss ich die Verträge in Geiselwind persönlich an Fred/Paul bzw. Garth zu übergeben. Natürlich wurde auch das Finanzielle geklärt, Kontoeröffnung bei einer Bank in Winnipeg, Beantragen einer Visa Card usw. Es wurde alles sehr korrekt und professionell bearbeitet und wir wurden über jeden Schritt, der in die neue Zukunft ging, von Klaas mit einer E-Mail unterrichtet, so dass ich immer auf dem neuesten Stand war, und wo meine Unterlagen gerade zur Bearbeitung waren. Wenn etwas unklar war rief Klaas an oder schrieb eine E-Mail und die Sache wurde auf dem kleinen Dienstweg geklärt. Auch wurden meine ungeduldigen Anfragen, wie lange es wohl noch dauern würde, stets mit Freundlichkeit beantwortet. Es war wohl so um den 25. März, als die frohe Botschaft per Telefon kam, dass wir als Provincial Nominee von der Regierung anerkannt sind und die Unterlagen nun zur Kanadischen Botschaft nach Berlin unterwegs sind und das Ganze wohl nur noch ca. 2 Wochen dauern würde. Yippiaehh.................. Die Flugtickets wurden geordert, das WORK PERMIT kam und der Abreise stand nichts mehr im Weg. Ab München ging es dann los –Winnipeg erreichten wir dann so gegen Abend, wo wir schon von Fred erwartet wurden. Garth hatten wir in Toronto durch Zufall getroffen, er hatte auf seiner Geschäftsreise die gleiche Maschine gebucht wie wir. Fred brachte uns ins Hotel, wo schon ein Zimmer für uns reserviert war. Wir lernten auch noch gleich 2 Pärchen kennen, die ein paar Tage früher angekommen waren und den gleichen Weg gegangen sind. Wir waren also nicht allein. Von Fred bekamen wir auch gleich einen Umschlag mit Tipps und Anregungen bzw. Aufgaben und Termine, die wir in den nächsten Tagen hatten, wie SIN-Card beantragen (Social Insurance Number) ganz wichtig, Manitoba Health Insurance (Krankenversicherung) Termine zur vollständigen Kontoeröffnung bzw. Kreditkarten beantragen (in Nord Amerika brauchst du so was). Es folgten ereignisreiche Tage, mit Behördenwartezimmern, (sind auch hier Beamte) Auto kaufen, Wohnung suchen, Möbel kaufen, (lasst bloß euer Zeug zu Hause oder verkauft es). Bei Allem was wir hier gemacht hatten, haben mich Klaas, Fred und Paul immer unterstützt und sind mit Rat zur Seite gestanden. Natürlich können sie nicht die Wohnung oder das Auto kaufen oder mieten und die Behördengänge muss man auch selbst erledigen, aber wenn was unklar war, wurde immer eine Lösung gefunden. Außerdem hat man in Deutschland noch genug Zeit um Englisch zu lernen, (was ich empfehlen würde) man tut sich einfach nicht so schwer und will doch verstehen, was los ist, oder? Also nachdem ich meinen Auto-Führerschein umgeschrieben hatte, ging es dann los mit der LKW Fahrerlaubnis(nennt sich hier Class 1) Theorie für LKW und Bremsen. Muss man zuerst machen, keine Angst vorm Durchfallen, man kann täglich den Test wiederholen, pro test kostet es $10 CAN. Wenn das erledigt ist, geht es zu BISON, zur Orientation angemeldet. Dann heißt es Schulbank drücken, 2-tage, da raucht der Kopf und auch noch auf englisch (besser vorher englisch lernen) aber kein Problem, ich hab es ja auch geschafft Anschließend kommen dann so Kurse wie Speed Management, 7 second rule, Dangerous Goods Transport (so was wie GGVS-Kurs) ,da lernst du dann im Simulator und trainierst mit dem Instruktor, wie du dich in bestimmten Situationen verhalten sollst. War echt eine Erfahrung, wenn bei 65 mls/hour der Vorderreifen platzt. Das sind immerhin über 100 km/h. So habe ich meine erste Arbeitswoche beendet und sehe nun voller Elan der zweiten entgegen, in der meine Ausbildung zum „Professional Truck Driver“ weitergeht. So sitze ich hier an meinem Schreibtisch in meinem Apartment in Winnipeg und schreibe diesen Brief, und hoffe Euch ein bisschen einen Eindruck zu geben, was mich bewegt hat, diesen Schritt zu wagen, wie ich belohnt wurde mit guter Zukunftsaussicht und wie ich Unterstützung fand, das alles zu realisieren. Eins noch, auch hier in Canada fliegen dir keine gebratenen Tauben ins Maul und du musst auch hier für dein Geld hart arbeiten, aber es macht mehr Spaß hart zu arbeiten, wenn du von deinem Chef fair und mit Respekt behandelt wirst , und im Straßenverkehr nicht der Buhmann und für allen Schei... und jeden Stau “verantwortlich“ bist. Wenn man für eine Firma arbeitet, in der du einer von ca. 800!!!! Fahrern bist und trotzdem keine Nummer beim Chef , sondern der Mann, dessen Familienleben nicht nur auf dem Papier steht, sondern auch wirklich respektiert wird und last but not least von deinem Lohn was übrig bleibt und Du für dein Geld noch was bekommst. Ich habe fast nicht mehr dran geglaubt, weiß aber schon jetzt, dass wir uns richtig entschieden haben und darum sitze ich hier in Winnipeg und schreibe diese Zeilen...aber das wisst ihr ja schon. See you on the road, vielleicht bald in Canada Herzlichste Grüsse aus Winnipeg Franky |
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